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Acqua Mortale


Acqua Mortale
Genre:
Krimi
Autor:
Christian Försch
Seiten:
442
Verpackung:
Taschenbuch
Kaufstart:
25. Juli 2011
Verlag:
Aufbau Verlag
ISBN:
978-3-7466-2736-6

Kaspar Lunau zählt schon seit vielen Jahren nicht mehr zu den Top-Journalisten unseres Landes. Inzwischen beschäftigt er sich nur noch mit der Aufnahme von Landschaftsgeräuschen, um den Radiohöhern das Gefühl eines fremden Landes zu vermitteln, schließlich kann er seit seinen starken Hörproblemen einfach nicht mehr mit lauten Situationen umgehen. Doch ausgerechnet er erhält nun plötzlich einen rätselhaften Anruf aus dem fernen Italien. Eine junge Frau bittet ihn, nach Ferrara zu reisen und dort einen Mord an einem jungen Mann aufzuklären, denn nur so könne der Fall jemals international bekannt werden. Trotz erster Zweifel beschließt Lunau also kurzerhand, zu verreisen und sich die Geschichte anzuhören. Dumm nur, dass er kurz darauf selbst umgebracht werden soll und sich prompt in einem Strudel alter Feindschaften und Machtkämpfe wiederfindet, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint…

Kritik:
Das schöne Land Italien kennen wir meist nur durch Medienskandale, Mafiaprobleme und dem interessanten Temperament der Italiener. Doch während das Land neuerdings auch wegen der Finanzkrise in den Medien landet, entführt uns Autor Christian Försch in die Provinz Ferrara, in der es ein deutscher Journalist mit zahlreichen Morden zu tun bekommt. Auf spannende Weise dürfen wir dabei lesen, wie Kaspar Lunau versucht, in einem Fall zu ermitteln, der selbst ihn in größte Gefahr bringt und der womöglich mit Intrigen und Machtspielen in Verbindung steht. Da erwartet uns also ein unterhaltsamer Krimi entlang des Po.

Halluziniertes Leben
Interessant und außergewöhnlich ist dabei auch gleich der Hauptcharakter, aus dessen Perspektive der gesamte Roman „Acqua Mortale“ spielt. So können wir schließlich in die Rolle eines inzwischen erfolglosen Journalisten schlüpfen, der vor allem mit sich selbst so manche Probleme hat. Während er mit seiner Frau Jette längst nicht mehr im Reinen ist und am liebsten dringend Abstand von dem vielen Stress benötigt, möchte er in lauten Situationen doch am liebsten die Flucht ergreifen. Ihm gelingt es, ähnlich der Charakteristik eines Mikrofones, jedes einzelne Geräusch in seiner Umgebung genauestens und differenziert wahrzunehmen, wodurch er leider gelegentlich auch einmal akustische Wahrnehmungen halluziniert. Durch die Überforderung seines Gehörs könnte er so schließlich schon bald völlig taub werden und benötigt unbedingt eine ruhige und entspannte Umgebung. Insofern bietet Christian Försch uns bereits einen leicht widersprüchlichen Charakter, der wegen seiner Probleme, schon von Beginn an nicht die optimalen Voraussetzungen für den Erfolg seiner Ermittlungen mitbringt. Schließlich soll ausgerechnet er einen Mordfall aufklären und sich regelrecht in laute Umgebungen stürzen müssen.

Intrigen und Macht
Die Erzählweise ist dabei immer stets gelungen und konzentriert sich überwiegend auf Lunau selbst. Lediglich einige Szenewechsel verfrachten den Leser in die Erfahrungen seiner Komplizin Amanda und in die Situation der Gegner. Meist soll aber auch in dessen Szenen, Lunau nicht gänzlich außen vor bleiben, sodass seine Reaktion oder seine Parallelhandlungen durchaus beleuchtet werden. Damit schafft es „Acqua Mortale“, den Leser komplett in die verstrickte Handlung einzubeziehen und den Kampf um die Macht in Ferrara ausführlich zu schildern. Interessant sind und bleiben dabei stets die verschiedenen Wendungen, die durch falsche Geständnisse oder unklare Motive immer wieder auftauchen, insbesondere dann, wenn auch Nebencharaktere den Journalisten auf eine neue Fährte locken. Dabei sind vor allem die Verstrickungen verschiedener möglicherweise am Mordfall beteiligter Personen stets spannend inszeniert worden und auch die Hintergründe um das Erklimmen der Macht bei einem profitablen Geschäft werden dabei komplett vertieft und machen die Geschichte um Lunau zu jeder Zeit glaubwürdig und nachvollziehbar. So zählt „Acqua Mortale“ trotz der umfangreichen und komplexen Geschichte nicht gerade zum schwersten Stoff und bleibt für jeden Leser immer zugänglich. Immerhin ist die Story durchgehend an einem Strang erzählt, sodass sich zu keiner Zeit Längen oder Langeweile entstehen kann. Fans von spannenden Krimis sollten sich diesen Roman also keinesfalls entgehen lassen, denn auch die Folgen mehrerer Generationen seit dem Nazi-Regime können das Buch gelungen ausweiten.

Fazit:
Spannender Krimiroman um einen komplizierten Mordfall, der sowohl mit Verstrickungen zwischen den Charakteren, als auch mit interessanten Wendungen überzeugen kann, während wir die Geschichte aus der Perspektive eines ungewöhnlichen, aber sympathischen Hauptcharakters erleben.