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Bye Bye, Crazy Chick!


Bye Bye, Crazy Chick!
Genre:
Thriller
Autor:
Joe Schreiber
Seiten:
220
Verpackung:
Taschenbuch
Kaufstart:
6. März 2013
Verlag:
Aufbau Verlag
ISBN:
978-3-7466-2910-0

Eigentlich ist Perry ein ganz normaler Jugendlicher, der statt seinem College-Stipendium eher seine Rockmusik im Kopf hat. Für das andere Geschlecht hatte er bisher nur relativ wenig übrig und als typischer Frauenschwarm gilt er auch nicht gerade. Das sollte sich ändern, als eine Austauschschülerin aus Litauen vor einigen Monaten bei ihnen einzog und seine Fantasien in pubertären Gelüsten endeten. Leider entsprach das Mädchen so gar nicht seinen Vorstellungen und kam eher mit einem hässlichen Mauerblümchen-Look daher, weshalb er sich auch in der Schule eher von ihr fern hielt, um keine bösen Kommentare zu ernten. Dumm nur, dass nun, kurz vor ihrer Abreise in die Heimat, der Abschlussball bevorsteht – und ausgerechnet er soll sie begleiten. Da ahnt er jedoch noch nicht, dass Ball ganz schnell wieder vorbei sein wird und sich die hässliche Gobi plötzlich als sexy Auftragskillerin entpuppt, die mit ihm im Schlepptau durch New York zieht, um zahlreiche Menschen brutal zu ermorden…

Kritik:
Ein unscheinbares kleines Büchlein mit gerade einmal 220 Seiten erzeugt meist keine so große Aufmerksamkeit. Die Geschichte ist kurz, die Wortwahl sicherlich nicht unbedingt einem literarischen Meisterwerk entsprechend – und doch hat dieser kleine, aber feine Thriller es ganz schön in sich. Gradlinig, konsequent und überaus turbulent macht es sich Joe Schreiber zur Aufgabe, einen Speed-Thriller ohne Verschnaufpause zu Papier zu bringen.

Die Suche nach dem Kollateralschaden
Warum dieses Buch so unglaublich gut funktioniert und fesselt? Weil es sehr stark an so manchen Hollywood-Actionthriller erinnert, der uns bis zum Schluss vor den Bildschirm fesseln kann. Wir begleite hier einen jugendlichen Schüler mit dem Auto seines Vaters, der von einer skrupellosen Auftragskillerin gezwungen wird, sie durch New York zu kutschieren, wo sie genauestens geplant und geschickt ihre Opfer aussucht und kaltblütig ermordet – stets mit den richtigen Optionen, den Fahrer entsprechend zu erpressen, damit er ja nicht wegläuft. Insgesamt erinnert der Thriller dabei vor allem an Filme, wie „Collateral“, in dem Tom Cruise ebenfalls als Auftragskiller einen Taxifahrer dazu bewegt, ihn durch die Gegend zu fahren. Nur eben, dass die Protagonisten weitaus jünger sind und dabei vor allem bei jungen Erwachsenen den richtigen Nerv treffen können. Da verspürt man doch einmal mehr die jugendliche Abenteuerlust, einfach mal etwas Verbotenes zu tun und man kann dem tristen Arbeitsalltag leicht entkommen.

Die verbotene Liebe
Stilistisch ist „Bye Bye, Crazy Chick“ sehr schnell geschrieben, hat Autor Joe Schreiber wohl auch nicht gerade viele Seiten zur Verfügung. Eine rasante Flucht, mindestens fünf Morde und eine heikle Familiensituation muss er in diesen wenigen Seiten unterbringen und wir können uns leicht vorstellen, dass dieser Thriller sich niemand auch nur annähernd in die Länge ziehen könnte. Das ist gut so, denn wer flotte Thriller mag, liegt bei diesem kleinen Taschenbuch mehr als nur richtig. Dabei kommen uns die beiden Hauptfiguren besonders nahe, denn trotz gut beschriebener Gewaltexzesse, Entführungsszenarien und Vertrauensbrüchen kommt es zwischen den Protagonisten zu einer unglaublichen Nähe, welche fast schon Gefühle der Liebe beim Opfer aufkommen könnten. Das Buch macht die Sklavenhaltung des Opfers zu einer emotionalen Bindung und erschreckt den Zuschauer: Denn die Emotionen sind angesichts der so unschuldig wirkenden Täterin überaus nachvollziehbar – dieses Buch wird uns also nicht mehr so schnell los lassen.

Fazit:
Kurzer, aber extrem fesselnder Thriller, der uns mit seinem Tempo und der Nähe zu den Figuren schnell in seinen Bann ziehen kann. Perfekt für Fans von „Collateral“ & Co.