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Die achte Offenbarung


Die achte Offenbarung
Genre:
Thriller
Autor:
Karl Olsberg
Seiten:
452
Verpackung:
Taschenbuch
Kaufstart:
6. März 2013
Verlag:
Aufbau Verlag
ISBN:
978-3-7466-2917-9

Paulus Brenner hat seine Großmutter gar nicht wirklich gekannt und weiß bis heute nicht viel über sie. Lediglich, dass sie im zweiten Weltkrieg in einem Arbeitslager ums Leben kam und verfolgte Juden bei ihrer Flucht half, wurde ihm überliefert. Dennoch war er stets scharf darauf, mehr über die Frau zu erfahren, die er stets so verehrt und bewundert hat. Da kommt ihm natürlich ein Amerikaner gerade recht, der behauptet, ein uraltes Manuskript aus dem Mittelalter zu besitzen, das einst seiner Oma gehörte. Dieses handelt von einem mysteriösen Mönch und wurde mit aufwändigen kryptischen Zeichen verschlüsselt, was jedoch für den Historiker kein allzu großes Problem darstellt. Schnell entpuppt sich das Schriftstück als die Niederschrift einer Prophezeiung, die tatsächlich stattgefundene Ereignisse vorhergesagt hat – doch die Echtheit wirft zunächst Fragen auf. Dumm nur, dass die „achte Offenbarung“ auch zukünftige Ereignisse schildert, die ebenfalls eintreten werden. Steht die Menschheit also vor einer unausweichlichen Katastrophe und wird Paulus das Schicksal des Planeten noch ändern können?

Kritik:
Fans spannender Thriller dürften ihn bestens kennen: Karl Olsberg, der mit seinen herausragenden Büchern immer wieder begeisterte und vor allem durch „Das System“ bekannt wurde. Nach zahlreichen aufregenden Titeln rund um Psychologie, Überwachungsszenarien und Bombenanschlägen begibt er sich nun auf ein gänzlich anderes Terrain – und zeigt ein interessantes Gespür für religiöse Themen.

Auf agnostischen Wegen
Tatsächlich sehr ungewöhnlich mag es für Olsberg sein, sich mit historischen Schriften, Religion, Mythen und Kryptologie auseinander zu setzen. Meist kannte man ihn doch eher mit moderneren Themen, die in unserer jetzigen Zeit überaus realistisch erscheinen und durch die allzu reale Bedrohung eine überaus hohe Spannung aufbauen konnten. Mit „Die achte Offenbarung“ stellt er die Existenz eines übermächtigen Wesens, von Prophezeiungen und eventuellen Zeitreisen völlig offen in den Raum und bringt glaubwürdige Argumente, warum unerklärliche Phänomene womöglich doch die Anwesenheit eines höheren Wesens zulassen könnten. Trotz eindeutig atheistischer Sichtweisen bleibt die Figur Paulus Brenner über lange Strecken unentschlossen und damit inkonsequent, kann er doch, obwohl er die Religion als Unfug abtut, diese zugleich nicht recht ausschließen. Gleichzeitig wird seine Figur aber genau deshalb interessant, denn die wahren Hintergründe bleiben so völlig offen und selbst ein überzeugter Atheist könnte manches Mal dazu bewegt werden, über sein Weltbild nachzudenken – leider erscheint die Hauptfigur dadurch aber auch nicht immer sehr charakterstark, lässt er sich doch leicht beeinflussen.

Einer Verschwörung auf der Spur
Trotz diesen neuen inhaltlichen Wegen bleibt Olsberg aber seinem eigentliche Stil treu: Spannung durch flotten Erzählfluss und hohem Tempo. „Die achte Offenbarung“ lässt dem Leser nur selten eine Verschnaufpause und reiht Verfolgungsjagden, packende Aufdeckungsmanöver und interessante Rätseleinheiten aneinander. In der ersten Hälfte des Buches könnten wir den Thriller beinahe regelrecht verschlingen, da die Entschlüsselung des mittelalterlichen Manuskripts so spannend erscheint, dass wir unbedingt herausfinden wollen, welchen Inhalt dieses noch so in sich birgt – ganz so, wie es auch der Hauptfigur ergeht, weshalb wir seine Sicht der Dinge perfekt nachvollziehen und uns sehr gut in ihn hineinversetzen können. Nebenbei scheint allerdings auch die reale Bedrohung durch eine Organisation, die unbedingt an das Buch gelangen will, immer deutlicher zu werden und aufregende Hetzjagden durch ganz Deutschland fesseln den Leser so sehr, wie es kaum ein anderer Verschwörungsthriller schafft. Am Ende bleibt eine Wendung, mit der niemand je rechnen würde – und damit gelingt Olsberg ein Meisterwerk, das von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend hochspannend und erstklassig geschrieben bleibt. So kann sich der Autor aus Hamburg einmal mehr übertreffen, zumal es unübersehbar ist, dass auch sein eigener Charakter stellenweise Einzug in die Figuren des Buches gefunden hat.

Fazit:
Eine hochspannende Verschwörung mit temporeichen Hetzjagden, einem schnellen Erzählfluss und einer Geschichte, dessen Fortschritt niemand abwarten kann. Klare Empfehlung!