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Die keltische Verschwörung


Die keltische Verschwörung
Genre:
Thriller
Autor:
Thore D. Hansen
Seiten:
416
Verpackung:
Klappenbroschur
Kaufstart:
15. April 2013
Verlag:
Scorpio Verlag
ISBN:
978-3-943416-05-3

Ronald MacClary hat es sich als Richter am amerikanischen Supreme Court schon lange zur Aufgabe gemacht, die dunklen Machenschaften des Vatikan aufzudecken und diesen selbsternannten Staat endlich zur Rechenschaft zu ziehen. Doch wegen der Immunität der dortigen Staatsbevölkerung ist es kaum möglich, auch nur ein Strafverfahren in Erwägung zu ziehen – nicht einmal nach den zahlreichen Missbrauchsskandalen der Vergangenheit. Nun jedoch stößt MacClary auf einen Gegenstand, der ihm wohl alle Türen öffnen könnte: Ein uraltes Pergament aus der Zeit der Druiden, das womöglich belegen könnte, wie die Naturvölker von der Kirche einst ausgerottet wurden. Da zögert er auch nicht lange, gemeinsam mit einigen guten Freunden ins ferne Magdalensberg zu fahren, um bei umfangreichen Ausgrabungen weitere Pergamente zu finden und zu entschlüsseln. Gerade erst dort angekommen, gerät er aber längst ins Visier des vatikanischen Geheimdienstes und muss nun alles daran setzen, möglichst viele wertvolle Schriftstücke zu bergen. Nur ein Gerichtsverfahren um den Anspruch auf ein kulturelles Erbe könnte sie dabei noch rechtlich absichern – doch längst sind MacClary und seine Freunde in einem Wettlauf gegen die Zeit geraten, dessen Ausgang völlig ungewiss ist…

Kritik:
Bereits seit mehreren Jahren steht die katholische Kirche in großer Kritik wegen zahlreicher vertuschter Missbrauchsskandale an Waisenkindern. Die Opfer sehen sich noch immer nicht ausreichend entschädigt, die Kirche versucht möglichst glimpflich aus der Sache heraus zu kommen und eine Vielzahl von Kirchenaustritten waren die Folge. Doch Entdeckungen, welche belegen könnten, dass die christliche Religion vollkommen auf Lügen aufbaut, würden der Kirche wahrhaftig den Boden unter den Füßen wegreißen – eine Vision, die Autor Thore D. Hansen wohl nicht missfallen würde.

Christentum gegen Naturvölker
Hansens überarbeitete Neuauflage von „Die keltische Verschwörung“ befasst sich eben genau mit diesem Thema und zieht in Betracht, dass die keltischen Naturvölker – eigentlich keine Religion, sondern Humanisten mit „Vergötterung“ des Natur als höhere Macht – die eigentlich ursprünglichen Weltbilder prägten und für die Macht der Kirche gänzlich ausgerottet wurden. Einerseits mag der Thriller damit vor allem für geschichtlich interessierte Leser spannend sein, nimmt der Autor den sogenannten Pantheismus schließlich genauer unter die Lupe und kann glaubhaft nachvollziehbar schildern, warum der Glaube an die Natur weitaus realistischer erscheint, als der Machtanspruch eines einzelnen Schöpfer-Gottes, der praktisch keinerlei positive Ereignisse über die Menschheit bringen konnte. Insgesamt ist „Die keltische Verschwörung“ somit natürlich ein Fest für Atheisten, bekommt die Religion und vor allem die Kirche hier so einiges an Fett weg – der Vatikan wird generell in Frage gestellt und eine Ein-Gott-Religion grundsätzlich als falsch in Betracht gezogen.

Der Rücktritt des Papstes
In gewisser Weise ist „Die keltische Verschwörung“ dabei sogar teilweise realistisch – aber nur teilweise. Grundsätzlich merkt man der Story einfach ihre Fiktion an und zwar deutlich mehr, als jüngst in „Silent Control“. Viel zu abgehoben und eindeutig zu hochgesteckt erscheint da das Ziel, gleichzeitig wiederum viel zu schnell und leicht umsetzbar. Insgesamt hätte man die Geschichte sicherlich doppelt in die Länge ziehen können, um ein echtes Gespür für die Langwierigkeit und Dauer eines solchen Verfahrens gegen den Vatikan entwickeln zu können – hier geht schließlich alles viel zu einfach. Die Frage, ob darüber hinaus eine Abschaffung der Immunität für den Vatikan überhaupt realistisch ist, mag zudem fraglich sein. Andererseits wurde die Erstauflage des Romans vor einigen Jahren bereits dafür als „unrealistisch“ kritisiert, dass der darin vorkommende Papst überhaupt den Rücktritt vollzogen hat. Inzwischen wissen wir: Ein solcher Rücktritt ist durchaus realistisch und bereits geschehen – bleibt also interessant, wie realistisch die restliche Handlung ist. Bei einigen Punkten allerdings mag der Realismusgrad wirklich recht gering sein, was sich insbesondere auf den ungewöhnlich modernen Auftritt des Papstes und der atheistisch-kämpferischen Sicht der US-Präsidentin auswirkt. Ob wir wohl jemals überhaupt ein humanistisches amerikanisches Staatsoberhaupt sehen werden, liegt wohl weiterhin in den Sternen und könnte noch so einige Zeit dauern. Negativ fällt in diesem Zusammenhang allerdings auch auf, dass das positive Abschneiden des US-Präsidenten wohl ein wiederholtes Merkmal der Thriller von Thore D. Hansen ist, denn auch in „Silent Control“ wurden Staatsoberhäupter auf selbige Weise dargestellt, während die Geheimdienste auf eigene Faust agierten. In diesem Fall wäre etwas mehr Einfallsreichtum für die Zukunft wünschenswert – trotz allem bleibt „Die keltische Verschwörung“, vor allem wegen der Story, für religionskritische Leser sehr spannend.

Fazit:
Mit Pantheismus im Kampf gegen den Vatikan: Spannender Thriller von „Silent Control“-Autor Thore D. Hansen, der zwar nicht in allen Punkten realistisch erscheint, jedoch religionskritischen Lesern viel Spannung und einen hohen Anspruch beschert. Spannend bis zur letzten Minute.