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Endwar: Im Visier


Endwar: Im Visier
Genre:
Thriller
Autor:
David Michaels
Seiten:
416
Verpackung:
Softcover
Kaufstart:
20. Dezember 2011
Verlag:
Panini
ISBN:
978-3-8332-2324-2

Der nukleare Krieg im Mittleren Osten ist längst mitten im Gange und die Amerikaner befinden sich inzwischen auch in einem erbitterten Krieg gegen Russland. Die einzige natürliche Ressource der Welt, die jetzt noch übrig ist, befindet sich im heißen Dubai, wo nur ein kleiner Junge als neuer König einer Nation Zugang zu den Rohstoffen hat. Ausgerechnet die ehemalige russische Geheimagentin Viktoria Antsyforow hat es sich im Auftrag einer zwielichtigen Organisation zur Aufgabe gemacht, die Ressourcen zu beschaffen und der Weltherrschaft damit einen Schritt näher zu kommen. Unter dem Decknamen „Schneeflöckchen“ entführt sie somit kurzerhand den naiven, jungen neuen König von Dubai und will so auf der Flucht vor dem Militär und einigen Killerkommandos das Land ausrauben. Doch U.S. Special Forces-Captain Alexander Brent ist ihr mit seinem Ghost Recon-Team längst auf den Fersen. Dumm nur, dass schon bald ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der seine Fähigkeiten genauestens unter Beweis stellen wird…

Kritik:
Fans von spannenden actionreichen Videospielen sollten Ubisofts Strategie-Hit „Endwar“ sicherlich kennen. Hier durften wir noch aus Vogelperspektive unsere gepanzerten Einheiten auf das Spielfeld schicken und dabei möglichst strategisch und taktisch vorgehen. Das Spiel begeisterte dabei unter anderem als erstes Strategiespiel mit Sprachsteuerung, die tatsächlich funktionierte. Mit „Im Visier“ gibt es nun also den offiziellen Roman zum Videospiel, doch von Tom Clancy ist da wohl kaum etwas in Sicht. Noch dazu: Ein echtes „Endwar“ bekommen wir hier auch nicht geboten, denn das Buch lässt sich doch eher in die „Ghost Recon“-Reihe einordnen.

Soldat mit Vorgeschichte
In den meisten Fällen kennen wir die amerikanischen Soldaten doch eher als knallharte Actionhelden, die im Kriegseinsatz mal eben zahlreiche Gegner in Eigenregie erledigen. Selten bekommen wir eine echte Vorgeschichte um einen fühlenden Menschen geboten, der Interessen, Beziehungen und andere interessante Dinge hat, die man dem Leser nahebringen kann. „Im Visier“ verschafft eben dieser Hauptfigur, die wohl im Spiel kaum einen nennenswerten Charakter besäßen hätte, einen gewissen Adrenalinkick bei der Raserei mit seiner Corvette und führt uns bereits zu Beginn in seine tiefsten Ängste ein. Wer jetzt allerdings denkt, er würde psychologischen Tiefgang bei den Charakterzeichnungen geboten bekommen, hat sich mächtig getäuscht. Auf die anfänglichen Ängste, die zwar erklärt werden und damit bekannt sind, wird später praktisch nicht mehr eingegangen, sodass sie gänzlich in den Hintergrund geraten. „Im Visier“ mutiert zum reinen Actionthriller, dessen Story letztendlich eher flach bleibt.

Wettlauf gegen die Zeit
Das Problem: Alexander Brent ist ein Soldat – und bleibt ein Soldat. Seine Mission: Die Jagd nach einer ehemaligen Geheimagentin und ihren Geiseln. Doch da ist das Vorgehen recht klassisch aus Infiltration, Spionage, Angriff und Luftunterstützung. Fast das gesamte Buch über. Brent mutiert somit zu einer Spielfigur, die einfach nur an der Front eingesetzt wird und bei Bedarf schießen kann. Kein tiefgehender Charakter mehr, keine Identifikationsfigur mehr. Einfach nur Frontsoldat mit verbesserten taktischen Möglichkeiten. Das mag zwar spannend sein, wenn er mit seinem Ghost Recon-Team auf der Suche und Jagd nach „Schneeflöckchen“ ist und dabei all seine taktischen Möglichkeiten ausnutzt und bei der Action auch viel Abwechslung bietet, doch rein inhaltlich reicht uns das letztendlich nicht. Die Story bleibt so einfach zu uninteressant und dünn. Ein Anreiz zum Lesen ist bald nur noch für waschechte Actionfans gegeben.

Gelungener Bösewicht
Früher oder später fällt es dann allerdings auf, dass „Im Visier“ offensichtlich mehr Wert auf den weiblichen Bösewicht legt. Viktoria Antsyforow alias „Schneeflöckchen“ entpuppt sich somit schon bald als diskrete und knallharte Gegnerin, die nicht nur ihren Verfolgern stets einen Schritt voraus ist, sondern dessen Umgangsformen auch sehr viel über ihre Persönlichkeit aussagen mag. Im Gegensatz zur Hauptfigur Brent erfahren wir so einiges über ihre Motive, ihre Ängste und Wünsche, aber auch über ihren Charakter, der alles andere als zimperlich mit Mitmenschen umgeht – selbst mit vermeintlichen Freunden, die ihr im Weg stehen. Insgesamt erreicht sie so auch ohne aufregendem Heads Up Display viel mehr Coolness als ihr Gegenspieler Brent, aus dessen Perspektive wir eigentlich die Geschichte verfolgen. Interessant, aber auch irgendwie merkwürdig zu lesen.

Fazit:
Der offizielle „Endwar“-Roman entpuppt sich eher als weitere Folge aus der „Ghost Recon“-Reihe und verkommt trotz anfänglich guter Charakterzeichnungen schnell zur reinen Actionkost mit dünner Story.